"Gestrandetes Gut" hat viele Gesichter...

Carola Vaartjes schickt im Januar 2013 Bilder von "Strandgut-Mobiles" und schreibt dazu:

Ein Mobile ist nicht mehr neueren Datums, machte ich vor einiger Zeit aus schönen, kleinen, geschliffenen Holzstückchen, die irgendwie nach Figuren aussahen. Ich malte sie dann noch an, auch Augen bekamen sie. Das Brett, unter dem diese kleinen Fabelwesen nun hängen fand ich auch am Strand, ebenso das Tau, womit ich die ganze Sache bei mir im Zimmer an der Decke befestigt habe.
Das zweite "Mobile" ist neueren Datums. Abgeschliffene Holzstücke und Äste gefallen mir immer wieder und verleiten mich, damit etwas "anzustellen" ;) Diesmal habe ich zunächst die Äste mit Silberdraht und perlmuttfarben schimmernden kleinen Perlen umwickelt und unter ein kleines Stück Holz geschraubt. Dann habe ich am Strand gesammelte Glasscherbenstückchen in unterschiedlichen Farben rundum verteilt auch mit Silberdraht daran befestigt. Dazu kamen dann noch schöne Steine, eine Vogelfeder, ein Stückchen Ostseejade, ein Porzellan-Plopp-Verschluss einer Bierflasche (von denen ich übrigens eine ganze Menge schon am Strand gefunden habe) und ein Stückchen Braunkohle - alles Strandfunde.
Es gibt keine Grenzen, was man mit Strandgut alles Schönes machen kann, immer wieder neue Ideen....

Von Helgoland gemeldet... (14.12.2011)

Strandgut darf nicht mitgenommen werden!!!

Tausende Markenschuhe (Hilfiger Denim) treiben an der Westseite der Insel an. Am 9.12.11 verlor der unter Marshall-Islands-Flagge laufende Containerfrachter Frachter "Maersk Eindhoven", (141716 BRZ) während des Orkantief Friedhelm fünf Container vor Helgoland. Die Ladung sei am Freitagmorgen über Bord gegangen, bestätigte eine Sprecherin der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord in Kiel, es befand sich zum Glück kein Gefahrgut in den Containern. Die Schifffahrt in der Region wurde über die Gefahrensituation informiert und das Gewässerschutzschiff "Neuwerk" und der Bergungsschlepper "Nordic" hielten nach dem Treibgut Ausschau. 

Am Montagmorgen trieben jetzt tausende Paar Damen und Kinder Sommerschuhe der Marke Tommy Hilfiger an den Strand. Es ist natürlich sehr verlockend diese Waren einzusammeln "moderne Strandpiraterie", aber die Waren aus den Containern sind "kein frei verfügbares Strandgut". Man muss nämlich Wertgegenstände, die man am Strand entdeckt und mitnimmt, bei den Behörden melden (Fundsachen). Nur wenn dann die Eigentümer ausdrücklich zustimmen oder sich nach geraumer Zeit nicht melden, darf man das Strandgut (Fundsache) behalten. Die Polizei Helgoland, das Ordnungsamt und das Wasserschiffahrtsamt waren vor Ort und informierten Passanten über die rechtliche Situation. Nur über die ökologischen Folgen hat sich zur Zeit noch keiner Gedanken gemacht, So werden die im Meer treibenden Schuhe schon verhältnismäßig schnell in sehr kleine Fetzen zerrissen, die mit der Zeit einen immer höheren Feinheitsgrad erreichen und von verschiedenen Meeresbewohnern und Vögeln auch als Nahrung aufgenommen werden. Bis hier eine Entscheidung getroffen wird, holen die nächsten Sturmwellen die Schuhe wieder auf das offene Meer hinaus.

Strandungsordnung von 1874

Link direkt zur Meldung:

http://www.insel-helgoland.de/?p=1985 

Hier gibt es noch mehr Bilder ...

Ein überraschendes "Strandgut-Gesicht" schickte im Januar 2010 Carola Vaartjes aus Glücksburg an der Ostsee - die "Einzelgänger". Carola schreibt dazu:

Es begann vor ca. 10 Jahren, in einer Zeit, in der ich noch viel malte. Ich fand einen sehr „mitgenommenen“ Gummistiefel am Rande eines Gewässers. Er faszinierte mich und ich nahm ihn als Malobjekt mit. Der gesamte Schaft des Schuhs war nicht mehr vorhanden, er war völlig durchlöchert und Reste von Sand und Seegras hatten sich in ihm verfangen. Es entstand das erste „Schuhbild“ in Pastell, was zugegebenermaßen nicht besonders gut gelungen war. Inzwischen existiert nur noch ein Foto von dieser Zeichnung … So etwa ab diesem Zeitpunkt mit diesem besonderen Malobjekt, fielen mir immer wieder bei meinen fast täglichen Wanderungen an der Förde angeschwemmte, oder verloren gegangene Schuhe auf.

Ich begann diese „Einzelgänger“, wie ich sie seitdem nenne, aus dem Uferbereich von Förden, Meeren, Flüssen, Bächen und Seen zu sammeln, nicht nur in meinem Lebensraum zuhause sondern auch auf Reisen. Ich hatte es mir dabei zum Prinzip gemacht, nur einzelne Schuhe und nur „vom Wasser angespülte“ oder „wieder hergegebene“, also keine Schuhe aus den Bergen oder von sonstigen Orten mit zu nehmen. Jeder Sammler kennt das vermutlich: wenn man erst mal EINEN Fund gemacht hat, wird man besonders aufmerksam und vermutet gleich den nächsten – was jedoch in der Regel nicht eintritt. Geht man jedoch einfach nur so daher ohne einen Gedanken an seine Sammelleidenschaft zu verschwenden – da, schon hat man wider Erwarten „Beute gemacht“
Nun hat sich im Laufe der Jahre eine ganz stattliche Anzahl von „Einzelgängern“ von mir einsammeln lassen, über 100 Stück sind es bereits. Eine zeitlang reichte ein alter Weidenkorb aus in dem meine „Einzelgänger“ – nun in Gesellschaft – ihren Platz gefunden hatten, um auf ihre weitere Bestimmung zu warten. Inzwischen reicht der Korb nicht mehr aus… ein zweiter muss her!

Getragene Schuhe sind „Charaktere“ in gewisser Weise, sie haben ihr ganz eigenes „Gesicht“. Jahrelang dienten sie den Menschen, Männern, Frauen, Kindern jeden Alters, an den verschiedensten Orten und zu den unterschiedlichsten Anlässen – und, sie gingen aus unbekannten Gründen VERLOREN…

Sie könnten Geschichten erzählen!!!!

Heute, auf meinem fast täglichen Gang durch’s Revier fand ich wieder ein Exemplar, vom Wasser freigegeben nach augenscheinlich langer Zeit. Arg mitgenommen ist er, der Neue: Salzwasser, Sand, Algen und Getier haben ihn bearbeitet und bewohnt … und ich trage ihn heim – zu den anderen.
Interessant ist die statistische Betrachtung meiner Sammlung:
a) Es gibt doppelt so viel rechte wie linke
Schuhe
b) Fünf mal mehr Männer- als Frauenschuhe
c) Fast soviel Kinder- wie Frauenschuhe
d) Die meisten sind Badeschlappen, Material
und Fundort bedingt
e) Es gibt: Straßenschuhe, Schwimmschuhe,
Flipflops, Badeschlappen,
Holzpantoletten, Ledersandalen,
Gummistiefel, Turnschuhe

Ich denke, dass der moderne Mensch doch ein ganz besonderes Verhältnis zu seinem Schuhwerk hat, wenn auch unbewußt. Welche Bedeutung hat doch der ERSTE Schuh (bzw. Paar) im Leben des Menschen. Viele Eltern bewahren die ersten kleinen Treterchen ihrer Lieblinge auf und hängen sie sich sogar ins Auto! Letztens sah ich ein Bild aus einem alten Film. Es zeigte Kinder draussen ohne Schuhe, und das nicht im Hochsommer! Wie selbstverständlich ist es für uns in Europa geworden, dass man überhaupt Schuhe hat……! Wieviele Frauen – und auch einige Männer – betreiben Schuhkauf tatsächlich exzessiv, horten Dutzende von Schuhpaaren! Und jemand erzählte mir, dass es Unglück brächte, wenn man seinem Partner Schuhe schenken würde, da er einem dann in diesen Schuhe davon laufen würde…

„Einzelgänger“ von Gewässern zu sammeln, ganz schön verrückt und „igitt“ denkt eigentlich jeder, der von meiner Sammelleidenschaft erfährt...

... Aber wenn man auch darüber schmunzeln mag oder ES verrückt findet:
Ok, „den Schuh zieh’ ich mir an!

„ Schuhbidu- da! C.V.
"Robinson" von Carola

Danke an Sandra Göckeritz, die im Juli 2009 diese Gedanken schickte:

Mal sehen was die nächste Welle mit sich bringt... lass dich vom Leben überraschen und sammle neue Erfahrungen, pack sie in ein Säckchen und lass sie dein Begleiter sein.
Eine angenehme Überraschung ist so ein Bild:
Danke an Anja Anastou von der Neumayer-Station in der Antarktis. Sie schrieb in ihrer Mail:

„...ich hab da ein Bild zum Thema Treibgut...es ist zwar nicht wirklich

Treibholz, das haben wir nicht, da wir ja weit und breit keinen Bewuchs haben und eine Steilküste aus Eis.Das Foto ist jedoch eine Rarität: Der Holzstempel ist der sogenannte Holzanleger, aufgenommen letzten Sommer. Im Spätsommer dann ist er abgebrochen und ins Meer gefallen. Den Holzanleger gab es viele Jahre und um die Entstehung bzw. die Frage, wer ihn da angebracht hat, ranken sich

mittlerweile viele Geschichten. Manche sagen, er sei von den Südafrikanern, andere behaupten, es sei ein alter Anleger von der Polarstern.“

Wer mehr zur Neumayer-Station wissen möchte, kann diesen Link nutzen:

http://www.awi-bremerhaven.de/atkaexpress - die "südlichste
deutschsprachige Zeitung unseres Heimatplaneten

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Bei einer Strandwanderung an der Dänischen Nordseeküste bei Hvide Sande hatten Kinder dieses Strandgut gestaltet....
... oder es ergaben sich solche Fundstücke...
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Keine maritime Verschluss-Sache ist der Film

"Plastic Planet",
der sich u. a. mit der Vermüllung der Weltmeere durch Plastik-Abfälle beschäftigt...

Siehe auch eine Übersicht zum Thema
Plastikmüll im Meer
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